Musik, die Geschichte schreibt.
Wo Vergangenheit die Zukunft gestaltet
Bereits 1790 ist das musikalische Leben in Sipplingen nachgewiesen. Anfangs bestand sie aus einer kleinen Gruppe von Musikanten, die vor allem bei lokalen Festen und kirchlichen Anlässen auftraten. Im Laufe der Jahre wuchs die Kapelle sowohl in ihrer Mitgliederzahl als auch in ihrer musikalischen Qualität. Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte die Kapelle einen erneuten Aufschwung und etablierte sich als festes Element im gesellschaftlichen Leben des Ortes. Heute besteht die Musikkapelle aus rund 50 aktiven Musikerinnen und Musikern, die regelmäßig proben und auftreten.

Ihre Wurzeln findet unsere Musikkapelle bei Kirche und Militär. Später dann eigenständig ist sie früher wie heute in all ihren Funktionen wichtiger Teil des kulturellen Dorflebens. In der folgenden Übersicht der Meilensteine in der Geschichte des Vereins liegt der Fokus auf Ereignissen innerhalb Sipplingens und auf der Entwicklung der Kapelle.
Wie alles begann - Mit Pfeiffen und Trommeln
Noch vor dem 30jährigen Krieg soll es in Sipplingen bereits einen Trommler- und Pfeiffenkorbs gegeben haben. Rund 50 Sipplinger begleiteten Allensbacher mit Instrumenten vom Seeufer ins Rathaus für Speis und Trank. (Quelle: Allensbacher Zinsbuch)
Kirchliche Wurzeln
Gemeinsam mit den Chören der Klöster kam im 18. Jahrhundert wieder musikalisches Leben in viele Gemeinden. In Sipplingen begleiteten die Musiker, die an den Kirchenchor angegliedert waren, feierliche Prozessionen. Vor allem Fronleichnam und das Patrozinium. Für die Teilnahme wurden sie mit Brot und Wein von der Gemeinde sowie der Kirche entlohnt. Eine Rechnung darüber beweist den fortlaufend aktiven Stand der Musiker. Auf ihr heißt es: „Den Musikanten für ihre Beiwohnung das ganze Jahr hindurch 2 Gulden und 48 Kreuzer.“ Erst aus dem Jahr 1831 gibt es Aufschluss über die Namen der ersten Musiker. Unterrichtet und geleitet wurden die Musiker lange von Lehrern der Musik, welchen anfangs auch die Instrumente gehörten.
Bürgermilitär und Musik
Die Gründung eines Bürgermilitärkorps ist auf das Jahr 1849 zurück zu führen, wobei das Mitwirken des „Bürgermilitärs“ an kirchlichen Feierlichkeiten bereits 1822/1823 in den Gemeinderechnungen mit quittiert und namentlich erwähnt wurde. Zum Zeitpunkt der Gründung war der Musikantenchor bereits 59 Jahre alt.
Mit dem Jahr 1870 machte sich die Musik selbständiger, beispielsweise leitete kein Lehrer mehr die Kapelle, sondern der erste Kapellmeister Gebhard Zimmermann. Weiter folgten, auch kriegsbedingt, immer wieder Wechsel in der Position des Kapellmeisters.
Jung und Alt finden zusammen
Im Jahre 1912 bildete sich eine „Jungmannschaft“ bei den Musikern. Zuvor hatte um 1909 die Musik beim Bürgermilitär und der Gemeinde einen „Antrag auf Entlassung“ gestellt, woraus die heutige Hierarchie der musikalischen Gruppen der Miliz entstand. Musiker aus der alten Formation und die der Jungmannschaft wurden unter vorherigen Verhandlungen zu einer Kapelle.
unter neuem Namen

Nach dem Krieg und vorübergehender Auflösung der Vereine durch die französische Besatzungsmacht wurde 1946 die Milizkapelle der Bürgermiliz erneut gegründet. 1949 waren es dann 24 Mitglieder. Inzwischen hat die Milizkapelle ihren Namen in „Musikverein Sipplingen“ umgeändert und ist dem Blasmusikverband Bodensee-Lingau e.V. beigetreten.
Innere Stärkung und Zusammenwachsen

Von der Nachkriegszeit bis zum großen Jubiläum 1990 erlebte der Verein eine lebendige Zeit, so die Festschrift zum 200-jährigen Jubiläum. Das musikalische Reportoire wurde immer vielseitiger und die Musikkapelle war aus dem kulturellen Leben der Gemeinde nicht mehr wegzudenken. Ihre Doppelfunktion als Militär- und Musikkapelle behält sich die Kapelle bis heute bei. Die Teilnahme an Musik- und Verbandsfesten prägten diese rund 40 Jahre für die ganze Region.
Fasnachtskappe und Abendkonzerte
In diesem Jahr stellt die Kapelle ihre Fasnachtskappe vor und sie treten 1959 erstmals in ihrer Fasnachtsuniform auf. Im gleichen Jahr finden auch das erste Mal die abendlichen Standkonzerte für Feriengäste des Bodenseedorfes statt.
Besuch von der anderen Seeseite
Die „Seegfrörne“ 1963 lädt dazu ein, dass Langenrainer und Sipplinger Bürger und Musiker sich einen Besuch abstatten.
Jubiläum, Dirigentenwechsel und Strandfest
Die Einweihung der Bürgermilizfahne, das 60-jährige Jubiläum des Narrenvereins, ein Dirigentenwechsel und das erste Strandfest am See füllen die Jahre 1966 bis 1968.
Viele Gründe zu Feiern. Älter als gedacht: Großes Jubiläum mit großer Überraschung.

Im Oktober 1971 erhielt die Kapelle in Hagnau die Pro-Musika-Plakette vom Bundespräsidenten. 1972 war es Beschluss der Generalversammlung, den Musikverein in „Musikkapelle“ umzubenennen. Mit einem dreitägigen Bezirksmusikfest feierte die Musikkapelle 1973 ihr 180-jähriges Bestehen in Sipplingen. Die Kapelle zählte damals 35 aktive Musikanten. Eigentlich wollte die Kapelle ihr 150-jähriges Bestehen feiern. Aber durch das Ordnen des Pfarrarchivs stieß man auf die Notizen in den Kirchenbüchern aus dem Jahre 1790. Somit feierte die Kapelle und ein ganzes Dorf den 180-jährigen Geburtstag, da die Kapelle zu diesem Zeitpunkt bereits 183 Jahre alt war.
Erstes Jahreskonzert
Das festliche Jahreskonzert findet im Jahr 1974 sein Debüt.
Neue Räumlichkeiten, neuer Dirigent

Erstmals vollständig und mit 52 Musikanten spielt die Musikkapelle 1976 in ihrer Uniform anlässlich der Fasnetsküchlefahrt. Hubert Widenhorn übernimmt im gleichen Jahr das Amt des Dirigenten von seinem Vorgänger Roland Biller. 1977 sorgt die Musikkapelle, wie bei vielen lokalen Anlässen, bei der Einweihung der umgebauten Turn- und Festhalle für Unterhaltung. Nicht nur die Turnhalle erstrahlte in neuem Glanz, auch der Proberaum konnte nach Umbauarbeiten von der Kapelle im Erdgeschoss des Rathauses im Jahr 1978 bezogen werden. In vielen unentgeltlichen Arbeitsstunden schufen die die Mitglieder von Musikkapelle und Spielmannszug diesen neuen Übungsraum. Beim Dorffest zu Gunsten der Kirchturmrenovierung unterhielten die Musikkapelle und die Tanzabteilung zahlreiche Gäste. Beim 3. Verbandsmusikfest des Blasmusikverbandes Bodenseekreis in Überlingen nimmt die Kapelle an einem Wertungsspiel teil und erspielt sich in der Mittelstufe einen ersten Rang mit Belobigung.
Eintrag ins Vereinsregister

Zu Beginn des Jubiläumsjahres wird die Musikkapelle beim Amtsgericht Überlingen in das Vereinsregister als „Eingetragener Verein“ aufgenommen.
Mit Musik ins neue Jahrhundert
Zum Millennium spielt die Musikkapelle auf dem Rathausplatz und begrüßt das neue Jahr und die Jahrhundertwende.
Frauen in der Kapelle

Aus dem Ursprung der Militärmusik war es bis im Jahr 2002 den Frauen vorenthalten in der Kapelle zu spielen. Im Jahr 2003 treten die ersten Frauen in die Kapelle ein und jährlich stieg der Beitritt neuer Musikantinnen. Über zwanzig Jahre später (im Jahr 2025) zählt die Musikkapelle 19 aktive Mädchen und Frauen im Verein, wo sie nicht mehr wegzudenken sind!
Ausbildung und Jugendarbeit

Viele aktive Musikerinnen und Musiker können sich noch gut daran erinnern von den Älteren aus den eigenen Reihen eine hervorragende Ausbildung an ihren Instrumenten genossen zu haben. Im Jahr 2004 organisiert der Verein erstmalig einen „Schnuppertag“ im Probenraum in Rathaus. Viele Kinder und Jugendliche kommen und testen sich durch die Register. Die Kapelle findet eigene Ausbilderinnen und Ausbilder und ebnet den Weg für die jungen Musiktalente zur D1-Prüfung und dem anschließenden Beitritt in die Musikkapelle.
Seit 2010 ist die Musikschule Überlingen der starke Partner in der musikalischen Ausbildung an der Seite des Vereins.
Erster Auftritt des eigenen Jugendorchesters

Die Jugendarbeit und Ausbildung schreiten weiter voran. So kommt es, dass im Jahr 2004 die ersten Kinder und Jugendlichen, die über die Kapelle ein Instrument lernen, nach nur wenigen Proben einen Auftritt beim Jahreskonzert meistern. Musikkollegen und Dirigenten aus den eigenen Reihen oder von der Musikschule Überlingen nahmen sich dieser wichtigen Aufgabe für unsere Jugend an. Darunter erstmals Thomas Müller und später Hr. Moor und Dr. Patric Geiger.
Motto am Rosenmontag
Auch die Sipplinger Fasnet entwickelt sich weiter. Als Narrenkapelle und am Hemedklonker ist die Kapelle unterwegs. Seit 2004 schließt sie sich auch mit einem eigenen Kostüm dem jährlich wechselnden Dorf-Motto am Rosenmontag an.
Generationenwechsel und Übergabe des Dirigentenstabs
In diesem Jahr übergibt Hubert Widenhorn den Dirigentenstab ein seinen Sohn Arthur Widenhorn. Hubert Widenhorn wurde beim Jahreskonzert feierlich verabschiedet. Als Ehrendirigent ausgezeichnet spielte er am Flügelhorn noch viele Jahre in der Kapelle als aktiver Musiker. Dr. Patric Geiger, aktiver Musiker an der Klarinette, ist als zweiter Dirigent tätig und die beiden Dirigenten haben gemeinsam die musikalische Leitung inne.
Seezauber – Das Fest am Seeufer!

Gemeinsam mit dem Verkehrsverein, heute Touristik Förderverein, veranstaltet die Musikkapelle den Seezauber. Unter einem jährlich wechselnden Motto beginnen die beiden Vereine die Uferanlagen in Szene zu setzen, ein Programm zusammenzustellen und sorgen für Speis und Trank ein ganzes Wochenende lang. Eine Seebühne, Feuerwerk, Kinderprogramm, Showacts, Barbetrieb, Blasmusik zum Frühschoppen und vieles mehr bereichern das Fest seitdem. Im Jahr 2016 gründet sich die Seezauber Festgemeinschaft Gbr aus dem TSV Sipplingen und der Musikkapelle Sipplingen. Seitdem veranstalten sie eines der schönsten Feste am westlichen Bodenseeufer, unseren Seezauber.
Seeklänge – Das Schiffsdeck wird zur Bühne

Im August 2009 findet das erste Mal ein Konzertabend, verbunden mit einer Schiffsrundfahrt auf dem Bodensee statt Das Schiff „Karlsruhe“ war Konzertplatz für die Gastkapelle au Nesselwangen und rund 420 Gäste.
Nach diesem Erfolg legten die Seeklänge im darauffolgenden Jahr (2010) erneut mit dem Schiff „München“ am Steg von Sipplingen ab. Dieses Mal mit dabei rund 600 Gäste und die Gastkapelle aus Nussdorf. Auch 2012 gab es ein weiteres Mal die Seeklänge auf dem westlichen Bodensee mit der Kapelle der Nachbargemeinde Bodman.
Moderation des Jahreskonzerts mit neuer Stimme
Beim Jahreskonzert 2011 begrüßt erstmals Larissa Widenhorn das Publikum in der Turn- und Festhalle und führt mit Informationen und Hintergrundgeschichten durch das Programm. Sie tritt hinter das Pult anstelle von Karl-Max Cordes-Schmidt, welcher zuvor als aktiver Schlagzeuger die Besucherinnen und Besucher seit vielen Jahren durch das Konzert führte.
Neue Uniform: Die Kapelle im neuen Look

Fünfundzwanzig Jahre trug die Kapelle bereits die bisherige Uniform. Im Jahr 2014 erhalten die Musikerinnen und Musiker ihre neue Uniform. Hier wurde auch die Passform für Damenschnitte erstmals berücksichtigt und die Farbe Rot bleibt weiter markant für das Auftreten der Kapelle.
Feierlichkeiten zu 225 Jahren Musikkapelle Sipplingen e.V.

Anlässlich des 225-jährigen Jubiläums der Musikkapelle Sipplingen stellt die Kapelle viele Veranstaltungen und Feierlichkeiten auf die Beine. Besondere Highlights sind beispielsweise das Wertungsspielen, die SWR3-Party auf einer Fähre, einen Jubiläumsabend und die Austragung des Verbandsmusikfestes mit Festumzug. „Winfried Rösch und seine böhmischen Freunde“ geben mit ihrem Abschiedskonzert dem Festjahr seinen krönenden Abschluss.
Beim Jubiläum präsentiert sich die Kapelle in ihrer neuen Uniformen und spielt stolz den Marsch „Musik erklingt vom See zur Höh“, welcher Musikdirektor a.D. Helmut Fetzer eigens für die Kapelle und ihr Jubiläum komponierte.
Vorstandswechsel nach zwei Jahrzehnten
Ganze zwei Jahrzehnte waren Adrian Staiger (1. Vorstand) und Bernhard Bittlingmaier (2. Vorstand) die beiden Vorstände der Kapelle. Als Organisatoren und Repräsentanten vertraten sie die Musikkapelle im Ort, auf Verbandsebene und darüber hinaus. Der Verein hat beiden Mitgliedern viel zu verdanken. Durch Beschluss in der Jahreshauptversammlung ernannte der Verein und seine Mitglieder die beiden Vorstände mit Aufgabe ihres Amtes einstimmig zu Ehrenvorständen.
Im Jahr 2020 übernehmen Manuel Müller (1. Vorstand) und Marek Widenhorn (2. Vorstand) das Amt der Vorstände.
Erschwerte Bedingungen in der Corona-Pandemie

In dieser Zeit der weltweiten Pandemie erfährt auch die Musik und die Kultur im Dorf starke Einschränkungen. Nicht nur die Auftritte können nicht mehr stattfinden, auch das Proben ist erschwert oder nicht möglich. Die Kapelle ist im Rahmen der Möglichkeiten kreativ und lösungsorientiert und verlor nicht die Freude an Musik und Gemeinschaft. So wird auch online geprobt oder die Probe kurzerhand unter freiem Himmel (z.B. in der Süßenmühle) oder in einer Bootshalle durchgeführt.
Umbau des Rathauses und Neubezug des Probenraums

Der Probenraum, der sich im Erdgeschoss des Gebäudes befindet ist zur Zeit des Umbaus des Rathauses nicht nutzbar. In dieser Zeit (ab 2017) probt die Kapelle in der Burkhard-von-Hohenfels Schule in Sipplingen. Im Oktober 2021 ist es dann soweit und die Kapelle kehrt zurück in ihren Sitz ins Dorfzentrum.
MKS goes Social Media
Die sozialen Medien nutzt die Kapelle bereits im Jahr 2016 mit dem Beitritt auf dem Netzwerk Facebook. Seit April 2024 teilt der Verein auch auf der Plattform Instagram seine Termine und Impressionen von seinen Auftritten und erreicht so zahlreiche Interessierte im Internet.
175 Jahre Bürgermiliz Sipplingen e.V.

Als Milizkapelle ist die Kapelle wichtiger Teil der Bürgermiliz. Im Jahr 2024 feiert diese mit ihren Untergruppierungen des Spielmannszugs, der Mannschaft und der Milizkapelle das 175-jährige Bestehen. Im Jubiläumsjahr findet für die Kapelle ein Gemeinschaftskonzert mit dem Spielmannszug statt. Ein großes Festwochenende mit Umzug unter Beteiligung von 39 Gruppen aus ganz Deutschland wird im Rahmen des Seezaubers im August 2024 ausgerichtet.

Festschrift
Die Namen aller Mitglieder, Kapellmeister, Vorstandsmitglieder und Dirigenten sowie weitere ausführliche Informationen und Ereignisse können in der ausführlichen Festschrift aus dem Jahr 1990 oder auf Anfrage den Protokollen entnommen werden.
Quelle: Festschrift aus dem Jahr 1990, Südkurier, Dr. W. Fauler, Archiv Musikkapelle Sipplingen e.V.